unikales MorphemHagestolz

Bedeutung:

spöttisch: älterer, etwas wunderlich gewordener Junggeselle

 

Oskar ist ein alter Hagestolz.

 

 

Herkunft:

Für Bauernhöfe gab es In Norddeutschland ein besonderes Erbrecht. Der älteste Sohn erbte den Hof, die jüngeren Geschwister gingen leer aus.

 

Während die Schwestern häufig auf andere Höfe einheirateten, verblieben die jüngeren Brüder des Erben, da sie selbst kein Vermögen hatten, häufig auf dem Hof. Dort wurden sie wie Dienstboten oder Knechte behandelt.

 

Häufig wohnten sie dann in einer kleinen von einer Hecke (althochdeutsch hac) umgebenen Hütte abseits vom Bauenhof.

 

Der zweite Teil des Wortes (stolz) ist auf das gotische gastaldan = besitzen zurückzuführen.

 

Ein Hagestolz war also Mann, der in einer Hütte etwas abseits des Bauernhauses wohnte. Häufig verarmten diese Geschwister des Bauern und blieben daher Junggeselle.

 

Später übertrug man den Namen Hagestolz dann spöttisch auf sonderbare ältere Junggesellen.

 

 

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Entstehung:

8. Jh. ahd. hagustalt = ehelos, in Lohn stehend
13. Jh. mhd. hagestalt, hagestolz
mnd. hāgenstolte = Lehnsmann, u
nverheirateter älterer Mann

 

got. gastaldan = erwerben, aengl. stealdan = besitzen
(nicht verwandt mit dem Adj. stolz (ahd. stolz)

Ableitungen:

Das Grundwort Hag(e) kommt in folgenden Zusammen-
setzungen vor: Hagebuche, Hagebutte, Hagedorn

 

 

Das Morphem hage kommt auch isoliert und in anderen Wortbil-
dungen vor. Es handelt sich daher nicht um ein unikales Morphem.

kein unikales Morphem

Das Morphem stolz kommt in dieser Bedeutung im heutigen Sprachgebrauch nicht isoliert und auch in keinen anderen Wortbildungen vor.

unikales Morphem

Das Morphem stolz ist in dieser Bedeutung von got. gestaldan abgeleitet, das auf germ *stel = stellen zurückgeführt werden kannt. Es ist demnach nicht mit dem gleichlautenden Adjektiv stolz verwandt.