Die „Sonderform“ der Schreibung tz hat eine ähnliche Geschichte wie unser ck und ch. Die Ursprünge dieser Schreibung gehen auf die Lautverschiebung nach dem 4. Jahrhundert zurück. Allerdings muss diese Entwicklung im Zusammenhang mit dem hart gesprochenen s und der Konsonantenverdopplung ss gesehen werden.

Es gibt nur wenige belegte Wörter aus dem germanischen Sprachraum. Hier sprach man noch [tj] - hitjō, natja, sat-eja, set-ja (kattōn ist afrikanischen Ursprungs = katte).

Nr.

germ.

ahd.

mhd.

heute

as.

altengl.

engl.

-

hitjō

hizza

hitze

Hitze

hitti

hǽte

heat

549

kattōn

kazza

katze

Katze

-

cat

cat

-

natja

nezzi

netze

Netz

net(ti)

nett

net

552

sat-eja

sezzen

setzen

setzen

settian

settan

to sit

555

set-ja

sizzen

sitzen

sitzen

sittian

sittan

to sit

Anmerkung: Die Zahlen in der linken Spalte geben die Nummern der Wörter im Modellwortschatz an. Wörter ohne Zahl kommen im Modellwortschatz nicht vor.

Während der germanischen Lautverschiebung ab dem 4. Jahrhundert wurde hieraus ein [ts] (geschrieben zz). Auch das [t] wurde in dieser Zeit zu einem hart gesprochenen [s] (geschrieben zz).

Nr.

germ.

750-1050

1050-1350

heute

as.

altengl.

engl.

480

et-a

ezzan

ezzen

essen

eta

etan

to eat

460

fat-ō

fazzon

vazzen

fassen

-

fetian

-

481

fret

frezzan

vrezzen

fressen

fretan

fretan

to fret

461

lǽtan

läzzan

läzen

lassen

lātan

lettan

to let

482

met-a

mazzan

mezzen

messen

metan

metan

measure

479

-

mezzira

mezzer

Messer

mezas

meteseax

(knife)

459

-

wazzar

wazzer

Wasser

watar

wæter

water

497

wait

wizzan

wizzen

wissen

witan

wāt

(know)

Dadurch entstand in den Anfängen der Verschriftung deutscher Sprache sowohl für [ts] als auch für [s] die Schreibung zz. Erst nach der Jahrtausendwende wurde dieser Widerspruch aufgegeben: Nun schrieb man für das ursprüngliche [ts] tz und für das hart gesprochene [s] nach kurzem Vokal ss.

Wörter, die erst nach dem 12. Jahrhundert entstanden oder in die deutsche Sprache einflossen, wurden an diese Schreibung (tz) angepasst.

Nr.

ahd.

mhd.

heute

Entstehung, Bedeutung

-

blechezzen

blitzen

blitzen

seit dem 9. Jhd. (glitzern)

-

gisezzida

gesetzede

Gesetz

seit dem 13. Jhd.

-

-

hetzen

hetzen

seit dem 13. Jhd. (jagen, antreiben)

550

chrazzōn

kratzen

kratzen

seit dem 8. Jhd.

-

-

metzjer

Metzger

seit dem 12. Jhd.

560

-

mutze

Mütze

seit dem 14. Jhd. (Kopfbedeckung der Geistlichen)

-

pfuzza

pfütze

Pfütze

seit dem 8. Jhd. (lat. puteus = Brunnen)

547

-

platz

Platz

seit dem 13. Jhd. (ital. piazza)

-

-

platzen

platzen

seit dem 16. Jhd. (bersten)

556

-

plötzlich

plötzlich

seit dem 13. Jhd. (Plotz = klatsch.)

558

-

putzen

putzen

seit dem 15. Jhd.

548

saz

satz

Satz

seit dem 10. Jhd. (setzen)

557

smuz

smutz

Schmutz

seit dem 10. Jhd. (beflecken)

-

-

-

schützen

seit dem 14. Jhd. (stauen)

554

spizz(i)

spitz(e)

Spitze

seit dem 8. Jhd. (Spieß)

553

wizzi

witz

Witz

seit dem 17. Jhd. (geistreich)

 

Wenn wir Wörter mit tz sprechen und dabei genau auf die Lage unserer Zunge achten, dann spüren wir, wie die Zunge sich vom [t] zum [s] verschiebt. Im Grunde genommen handelt es sich daher beim tz nicht um ein Kürzezeichen (wie bei der Konsonantenverdopplung), sondern um eine Konsonantenfolge (wie beim x). Dieser Konsonantenfolge kann immer nur ein kurz gesprochener Vokal oder ein Konsonant vorausgehen.

Da das z immer als [ts] gesprochen wird, hätte man eigentlich ganz auf die Schreibung tz verzichten und den Buchstaben z für die Vokalfolge [ts] festlegen können. Dies ist z.B. beim x der Fall. Hier steht der Buchstabe für die Lautfolge [ks].

Dieses Ökonomieprinzip hat sich beim [ts] am Wortanfang durchgesetzt. Hier schreiben wir nur z:

Nr.

germ.

ahd.

mhd.

heute

as.

altengl.

engl.

84

tīði

zīt

zīt

Zeit

tīd

tīd

time

89

-

zeigōn

zeigen

zeigen

-

teon

(show)

170

-

zwēne

zwēne

zwei

twēne

twēgen

two

213

taubrá

zaubar

zouber

Zauber

-

tēafor

(magic)

437

teuh-a

ziohan

ziehen

ziehen

tiohan

tēon

(drag)

492

temra

zimbar

zimber

Zimmer

timbar

timber

timber

729

talija

zellen

zel(e)n

zählen

tellian

tellan

to tell

730

tala-lō

zal(a)

zal(e)

Zahl

tala

talu

-

737

tanþ

zan

zan

Zahn

tand

tōþ

tooth

738

tehun

zehan

zehen

zehn

tehan

tī(e)n

ten

 

Und genauso schreiben wir nur z nach einem Konsonanten:

Nr.

germ.

ahd.

mhd.

heute

as.

altengl.

engl.

314

hertōn

herza

herze

Herz

herta

heorte

heart

315

hulta

holz

holz

Holz

holt

holz

(wood)

316

salta

salz

salz

Salz

salt

sealt

salt

317

swarta

swarz

swarz

schwarz

swart

sweart

(black)

 

Da die nordischen Völker (Angeln, Sachsen, Franken, Friesen) von der Lautverschiebung nicht erfasst wurden, blieb bei ihnen der ursprüngliche [t]-Laut erhalten. So finden wir in englischen (zumindest in altenglischen) Wörtern, die wir mit z schreiben, in der Regel ein t. Die ursprüngliche angelsächsische Unterscheidung zwischen [ti] und [ta] finden wir im Englischen nicht mehr (siehe hierzu die angelsächsischen, altenglischen und englischen Übersetzungen in den Tabellen).

 

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